Gesellig oder Einzeltier? Warum man nicht alle Katzen in einen Topf werfen sollte

Noch vor wenigen Jahren wurden Katzen überwiegend einzeln gehalten. Heute geht der Trend zur Mehrkatzenhaltung. Eine Entwicklung, die zu begrüßen ist, würden die Mehrkatzenhalter nicht die Fronten so verhärten und alle verteufeln, die Katzen einzeln halten.

Einzelkatze

Einzelkatze vs. Zweitkatze

Früher hieß es lange Zeit, dass Katzen Einzelgänger wären. Heute wird genau das Gegenteil behauptet: Katzen sollten BLOß NICHT einzeln gehalten werden. Das wäre nicht artgerecht, wenn nicht sogar Tierquälerei. Aber ist es wirklich so?

Katzen stammen von der Afrikanischen Falbkatze ab, die ein Einzelgänger ist. Doch unsere Katzen sind heute genauso wenig Wildkatze wie der Hund Wolf ist. Zwischen Afrika und Wohnzimmer liegt eine verdammt lange Zeit. Eine Zeit, die unter anderem in Gruppen auf Bauernhöfen verbracht wurde. Katzen können somit gut miteinander auskommen, müssen tun sie es aber nicht.

Wovon ist es nun abhängig, ob eine Katze Artgenossen braucht oder nicht?

Es beginnt bereits bei der Sozialisierung. Früher wurden die Kätzchen mit acht Wochen von ihrer Mutter getrennt. Heute wird zum Glück bis zur 12. Woche gewartet. Dieses Zeitfenster zwischen der 8. und 12. Woche kann ausschlaggebend dafür sein, ob eine Katze später Artgenossen mag oder nicht, denn hier lernt sie die Feinheiten des Sozialverhaltens.

Katzen, die mit 8 Wochen getrennt und von da an jahrelang allein gehalten werden, begrüßen es weniger, wenn ihre Halter plötzlich auf die Idee kommen, ein zweites Tier aufzunehmen. Schon mal gar nicht, wenn diese einfach in das eigene Revier eindringt. Besser klappt es oft bei einem Besitzerwechsel, der die Karten noch einmal neu mischt. Zum Glück sind Katzen flexibler als wir denken. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass sich wirklich innige Freundschaften entwickeln ist eher gering, kommt aber natürlich auf das Wesen der Katzen an.

Wurde die gleiche Katze aber erst mit 12 Wochen von Mutter und Geschwistern getrennt, kann es ganz anders aussehen. Eine spätere Zusammenführung mit einem Artgenossen klappt eher als bei früh getrennten Katzen. Doch nach der 12. Wochen ist noch nicht alles festgelegt. Junge Katzen lassen sich ohne große Probleme auch danach noch vergesellschaften. Genauso können schlechte Erfahrungen dazu führen, dass eine Katze nichts mehr mit anderen zu tun haben möchte.

Im Alter werden Katzen aber unflexibler und verändern sich. Eine Zusammenführung fremder Katzen wird im Alter schwieriger. Meiner Meinung nach, liegt bei 6 bis 8 Jahren eine unsichtbare Grenze, die das Vergesellschaften schwieriger macht, wenn auch nicht unmöglich. Nur wenige Katzen lassen sich dann noch richtig auf eine andere ein, sondern akzeptieren sie lediglich.

Viele Paare entfernen sich mit den Jahren voneinander. Teilen sich vielleicht noch den Schlafplatz, aber hängen nicht mehr wie Pech und Schwefel aneinander. Nur die dicksten und innigsten Freundschaften halten bis zum letzten Atemzug. Der größte Teil der Katzen lebt aber im Alter eher nebeneinander her.

Dürfen Katzen jetzt nicht mehr einzeln gehalten werden?

Natürlich. Doch jeder sollte sich seine eigene Situation ansehen und ehrlich beurteilen, ob eine Katze einzeln glücklich wäre oder ob es doch besser wäre, sich für ein Pärchen zu entscheiden.

Kleine Katzen sind alleine schnell einsam und gelangweilt, sodass die Entscheidung für ein junges Kätzchen zu einer Entscheidung für zwei junge Kätzchen werden sollte.

Eine Katze, die schon etwas größer ist, freut sich oft auch über einen Kumpel (wenn auch nicht immer). Ist der Katzenhalter nicht den ganzen Tag außer Haus, arbeitet vielleicht sogar im Home-Office oder hat auf (katzenlebens)lange Sicht (Gesundheit, Alter) viel Zeit, spricht nichts gegen eine Einzelkatze, wenn diese vorher auch schon allein gelebt hat. In einem Zuhause mit Freigang braucht eine freiheitsliebende Katze auch nicht rund um die Uhr einen Sozialpartner – egal ob Katze oder Mensch.

Und na klar, es gibt genug Katzen, die nichts, aber auch wirklich gar nichts von Artgenossen wissen wollen. Diese sollten nicht zwangsweise mit einer anderen zusammen gehalten werden, nur weil einige behaupten, dass „man das so machen soll.“

Und was tun, wenn eine Katze stirbt?

Wenn ein Teil eines Katzenpärchens stirbt, stellen sich viele die Frage, ob gleich Ersatz her muss.

Das ist von der Katze abhängig. Und natürlich auch davon, ob ihr wieder eine zweite Katze möchtet. Waren die beiden stark miteinander verbunden? Haben sie zusammen geschlafen, gespielt und einander gesucht, wenn der andere nicht da war? Dann sollte ein neuer Partner her. Erst recht, wenn die Hinterbliebene leidet, sucht oder ihr Futter verweigert.

Manchmal verändern Katzen sich aber, wenn der Partner weg ist. Nicht zum Negativen, sondern zum Positiven. Sie leben regelrecht auf, werden mutiger und fröhlicher. Denn Katzen beeinflussen sich gegenseitig mehr, als wir wahrnehmen. Wenn ihr euch sicher seid, dass eure Katze nicht leidet, wartet ein paar Tage oder auch wenige Wochen. Vielleicht gefällt eurer Katze das neue Leben allein besser als erwartet.

FAZIT:

Katzen sind weder grundsätzlich Einzelgänger, noch grundsätzlich gesellig. Jede Katze ist anders, doch eines haben sie gemeinsam: Sie langweilen sich, wenn sie den ganzen Tag in der Wohnung sitzen, erst recht, wenn sie dabei allein sind. In der heutigen Zeit, in der Katzen in kleinen Stadtwohnungen gehalten werden und die meisten Halter voll berufstätig sind, ist die Haltung von zwei Tieren eine Möglichkeit, zu verhindern, dass die Katze einsam und übergewichtig ihr einsames Leben lebt.
Wer aber den ganzen Tag zu Hause ist und / oder der Katze unbegrenzten Freigang bieten kann, muss sich nicht schlecht fühlen, wenn er seine Katze einzeln hält. Diese Katze kann genauso glücklich sein.

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