Wohnungskatze vs. Freigänger – Meine Erfahrung und mein schlimmstes Erlebnis

Freigänger haben es besser, Wohnungskatzen leben sicherer. Egal für welche Form der Katzenhaltung wir uns auch entscheiden, perfekt ist keine davon. Ich habe viele Jahre eine Meinung dazu gehabt und sie inzwischen aus guten – freiheitsliebenden und dreibeinigen – Gründen zweimal geändert.

Wohnungskatze Freigaenger

Das schöne Leben meiner Freigänger und warum ihnen als Wohnungskatzen etwas fehlte

Ich hatte viele Jahre immer Wohnungskatzen, weil ich nie ländlich genug gelebt habe, um sie guten Gewissens raus zu lassen. Nie hatte ich das Gefühl, sie würden etwas vermissen. Keine von ihnen zeigte das Verlangen nach Freigang, obwohl die meisten von ihnen als Fundkatzen oder Streuner in Tierheime gelangten, bevor sie bei mir einzogen. Sie hatten viel Platz, Artgenossen und Abwechslung.

Als ich irgendwann in die ländliche Einöde zog, hätten sie raus können. Türen und Fenster standen offen, doch bis auf ein Kater, der ganz gern im Garten in der Sonne lag, setzte keine der Katzen einen Fuß nach draußen. Ich fühlte mich darin bestätigt, dass Freigang für Katzen überbewertet wird.

Es folgte ein weiterer, endgültiger Umzug. Nur wenige Kilometer weiter, immer noch ländlich, aber mit vielen Nachbarn und noch mehr Katzen um uns herum. Und plötzlich wollten meine Katzen raus – und durften es. Doch von da an hatte ich Angst – vor katzenhassenden Menschen, katzenfressenden Hunden, katzeneinsperrenden Schuppen und katzenüberfahrenden Autos, Gift, Krankheiten usw.

Doch ich sah, wie meine Katzen sich veränderten. Wie viel Freude sie daran hatten, in der Nachbarschaft herum zu streichen. Wie sie lernten, Mäuse zu fangen. Wie sie stundenlang in der Frühlingssonne lagen. Wie sie Nachbarn um ihre Pfoten wickelten, um sich eine weitere Mahlzeit zu sichern. Wie sie sich den Dorfkatzen anschlossen und jeden Abend eine andere, fremde Katze in unserem Garten saß. Und ich wusste, meine Katzen haben als Freigänger ein viel schöneres, interessanteres, abwechslungsreicheres und erfüllteres Leben, als sie es jemals zuvor in der Wohnung hatten.

Hatte ich zuvor noch gedacht, dass Katzen in der Wohnung genauso glücklich sein können, war ich mir nun sicher, dass der bemühteste Halter, der passendste Katzenkumpel, das beste Katzenspielzeug keinen Freigang und keine Natur ersetzen kann.

Viele Jahre ging es gut. Bis zu dem einen Tag im Frühling.

Und dann kam das Auto…

Es war morgens, die Sonne schien und die Katzen waren bereits unterwegs. Ich ließ unsere Hunde in den Garten und sah etwas Schwarzes im Gras liegen. Es war Moritz, unser Kater. Er war etwa 3-4 Jahre alt und kam aus dem Tierheim. Seine ersten Jahre hatte er mitten in der Stadt in einer Streunerkolonie verbracht. Zunächst dachte ich, er sonnt sich, doch er hob auf mein Rufen nur den Kopf, obwohl er sonst immer gleich angelaufen kam.

Als ich näher kam, sah ich, warum er sich nicht bewegte. Eines seiner Hinterbeine hing kraftlos an ihm hinunter und auch der Schwanz sah komisch aus. Wir fuhren sofort zum Tierarzt und der Verdacht bestätigte sich. Moritz musste von einem Auto erfasst worden sein und hat sich wohl mit letzter Kraft nach Hause geschleppt. Nach einer Not-Op hatte er ein Bein, einen halben Schwanz und  26 Zähne weniger. Nur wenige Tage später folgte eine zweite Operation, bei der er noch den letzten Rest seines Schwanzes lassen musste, weil auch dort das Auto rübergefahren war und noch Gewebe abstarb. Ich war erschüttert. Um uns herum nur wenig befahrene Straßen, Spielstraßen und 30er-Zonen und trotzdem trifft es ausgerechnet uns.

Moritz ist nun Wohnungskater. Er ist glücklich drin und zeigt kein Verlangen, wieder raus zu wollen. Anders seine Katzenfreundin. Sie will noch raus. Sie einfach einzusperren, funktioniert nicht, sodass wir ihre Drinnen-Zeiten langsam verlängern. Doch der kommende Sommer wird ihr letzter „in Freiheit“ sein. Inzwischen ist sie älter geworden, streift weniger herum und trifft sich auch kaum noch mit Katzenkumpels. Spätestens im Herbst wird auch sie eine Wohnungskatze sein und ich frei von der Angst, dass ihr ähnliches passieren könnte.

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